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		<title>wort der woche &#8211; plakatwahnsinn</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 10:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabrina_f</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Wie jeden Morgen, abgesehen von den Wochenenden, ging ich zur Schule. Rechts und links von mir säumten Wahlplakate meinen Weg. Früher zogen sie recht teilnahmslos an mir vorbei aber jetzt, dieses Jahr, war es anders. Diese Wahl betraf mich. Vor wenigen Monaten bin ich achtzehn geworden und ich muss gestehen, dass ich mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/05/200px-Wahlplakate.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2785" title="wdw - plakatwahnsinn | By Olaf Meister (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/05/200px-Wahlplakate.jpg" alt="" width="200" height="199" /></a></p>
<p><strong>Wir sagen:</strong></p>
<p>Wie jeden Morgen, abgesehen von den Wochenenden, ging ich zur Schule. Rechts und links von mir säumten Wahlplakate meinen Weg. Früher zogen sie recht teilnahmslos an mir vorbei aber jetzt, dieses Jahr, war es anders. Diese Wahl betraf mich.<span id="more-2782"></span></p>
<p>Vor wenigen Monaten bin ich achtzehn geworden und ich muss gestehen, dass ich mit der Situation überfordert war. Eigentlich hätte ich noch zwei Jahre Zeit gehabt bis ich mir ein politisches Urteil bilden müsste, aber jetzt – ich schweife ab.</p>
<p>Jedenfalls ging ich die Plakatallee entlang und war heute so gut gelaunt wie selten vor halb acht. Von allen Seiten strahlten mir Leute entgegen. Von weit oben, an Laternenmasten und Bäumen, behüteten sie mich. Wie sollte ich mich bei diesen seriösen Fratzen nur für eine entscheiden? Die schicke Kleidung, die makellose Haut und das Wichtigste: Die linguistisch hochwertigen und kreativen Slogans!</p>
<p>Auch ich liebe NRW, zumindest liebe ich es nicht weniger als Sonnentage oder schulfrei. Das gäbe jetzt einen Pluspunkt für die entsprechende Partei, wenn ich nur wüsste, was diese denn mit meinem geliebten Bundesland machen will. Ich meine doch, dass ein jeder versucht das Geliebte zu ändern, um es wohlmöglich noch besser lieben zu können. Soweit es möglich ist ein Gefühl durch fehlende Mängel zu verstärken…</p>
<p>Es war nicht mehr weit zur Schule und langsam begann die Bilderwucht mich zu erdrücken. Ich wollte nicht so früh schon an Politik denken müssen. Zumindest noch nicht müssen. Immerhin waren es noch einige Wochen bis zu den Wahlen. Demnächst, bald, vielleicht schon heute Mittag würde ich mich hinsetzen und recherchieren. Mir die unglaublich tollen Wahlprogramme durchlesen, in dem Wissen, dass alles so durchgesetzt wird, wie es geschrieben steht, und dann würde ich beruhigt wählen gehen.</p>
<p>Ich möchte nicht nach Namen und Slogans wählen. Wie ein freier Mensch, soweit man nun eine Willensfreiheit besitzt, möchte ich abwägen und diskutieren. Gegebenenfalls auch, wie heute modern, mich über Parteien oder Gesinnungen aufregen, aber nicht &#8230;</p>
<p>Vor mir war plötzlich ein riesiges Plakat. Nicht wie diese üblichen A3-Pappen, nein, mindestens doppelt so groß wie ich, farblich abgestimmt und aussagekräftig. Das Beste: Mir grinste noch nicht einmal jemand entgegen.</p>
<p>Wie es sich für einen Politiker gehört, war der schneidige Herr von der FDP in eine Diskussion vertieft und bekam gar nicht mit, dass er fotografiert wurde. Und ich muss sagen. Er hatte sogar mit seinem Wahlspruch recht. Wir brauchen keine Schulden mehr! Und so treffend formuliert sind die beiden Sätze: „Lieber neue Wahlen als neue Schulden. <span style="text-decoration: underline;">Das</span> ist meine FDP“</p>
<p>Vor allem der zweite Teil blieb gut im Kopf, denn selbst als nicht-exzessiver Fernsehschauer kenne ich doch die melodische Untermalung von „Mein RTL“. Der Herr wurde mir immer sympathischer.</p>
<p>Letztendlich fand ich den Weg in die Schule doch noch. Und schon wieder wurde mein herausragendes Bild der Politik bestätigt:  „Hast du es schon gehört? Die FDP finanziert ihre Wahlplakate doch tatsächlich mit einem Kredit, weil der Abstand zur letzten Wahl so kurz ist…“</p>
<p>Wahlkampf halt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die anderen Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Englisch: election campaign</p>
<p>Schwedisch: valkampanj</p>
<p>Niederländisch: verkiezingscampagne</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das Lexikon sagt:</strong></p>
<p>Als Wahlkampf wird im engeren Sinne das direkte Werben von Parteien oder Kandidaten um Stimmen vor einer Wahl bezeichnet. Im weiteren Sinne lässt sich der größte Teil des Verhaltens von Parteien oder Kandidaten vor einer Wahl dem Wahlkampf zurechnen.</p>
<p style="text-align: right;">(<em>wikipedia</em>)</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Und was sagst du?</strong></p>
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		<title>WANTED: eure müden wörter &amp; frischen sätze</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 08:20:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ines</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir brauchen eure Hilfe, denn vom 31. Mai bis zum 4. Juni findet im Literaturhaus ein Festival mit dem Titel &#8220;Wider die Müdigkeit&#8221; statt. Was ihr tun könnt? Einfach aufwachen und eure müden Wörter und frischen Sätze an muedewoerter@literaturhaus-koeln.de schicken. Die Welt dreht sich schneller in Zeiten von globalen Krisen, Internetrevolutionen, Smartphones und Social Media. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><img class="size-full wp-image-2763" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/05/mudeworterweb2.jpg" alt="" width="300" height="129" />Wir brauchen eure Hilfe, denn vom 31. Mai bis zum 4. Juni findet im Literaturhaus ein Festival mit dem Titel &#8220;Wider die Müdigkeit&#8221; statt. Was ihr tun könnt? <strong>Einfach aufwachen und eure müden Wörter und frischen Sätze an <span style="text-decoration: underline;">muedewoerter@literaturhaus-koeln.de</span> schicken.</strong></p>
<p>Die Welt dreht sich schneller in Zeiten von globalen Krisen, Internetrevolutionen, Smartphones und Social Media. Kann unsere Sprache da noch mithalten oder haben manche Wörter einfach ausgedient? Diese Frage könnt ihr am besten beantworten: <strong>Welche Wörter könnt ihr nicht mehr hören? Welche Wörter müssen ersetzt werden? Welche Wörter sind einfach nur nervig und ärgerlich?  Was sind Alternativen zu den müden Wörtern? Gibt es frische Sätze?</strong></p>
<p>Mit einer kurzen Begründung eine Mail an das Literaturhaus schicken. Wir recycelen, entsorgen und überarbeiten den Wortschatz. Ab Mitte Mai im Blog unter <a href="http://www.widerdiemuedigkeit.de/">www.widerdiemuedigkeit.de</a>. Wer Lust hat, kann außerdem ein Video drehen und den Clip einschicken.</p>
<p><strong>Unter allen Einsendungen verlosen wir fünf Mal „Das ist dein Augenblick“ signiert von der niederländischen Autorin Corien Botman.</strong></p>
<p>Mehr Infos zum Festival unter <a href="http://www.widerdiemuedigkeit.de/wordpress/" target="_blank">www.widerdiemuedigkeit.de</a></p>
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		<title>wort der woche &#8211; konzentrationsgefälle</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 11:08:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>anica</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Ja, doch, da war was. Tief in meinem Hirn verkramt, gibt es noch eine Ecke, in der das Wissen über Konzentrationsgefälle abgespeichert ist. War das nicht etwas aus dem Biounterricht? Ich bin sicher, es hatte etwas mit Osmose zu tun, also grob gesagt, mit Stoffaustausch. Wenn ich weiter in meinem Hirn krame, finde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/05/200px-Scheme_simple_diffusion_in_cell_membrane-de_02.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2754" title="wdw - konzentrationsgefälle | By LadyofHats Mariana Ruiz Villarreal; translated by Kuebi = Armin Kübelbeck [Public domain], via Wikimedia Commons" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/05/200px-Scheme_simple_diffusion_in_cell_membrane-de_02.jpg" alt="" width="200" height="199" /></a>Wir sagen:</strong></p>
<p>Ja, doch, da war was. Tief in meinem Hirn verkramt, gibt es noch eine Ecke, in der das Wissen über Konzentrationsgefälle abgespeichert ist. <strong>War das nicht etwas aus dem Biounterricht?</strong> Ich bin sicher, es hatte etwas mit Osmose zu tun, also grob gesagt, mit Stoffaustausch. Wenn ich weiter in meinem Hirn krame, finde ich die Begriffe hypertonisch und hypotonisch. <span id="more-2751"></span></p>
<p>Mal sehen, was ich davon noch zusammenkriege: Hypertonisch war eine Lösung doch immer dann, wenn die Konzentration gelöster Stoffe in ihr größer war, als in einer anderen angrenzenden Lösung, die dann hypotonisch war, getrennt durch eine Membran, die diese Stoffe durchlassen kann. <strong>Semipermeabel nennt man das, soweit ich es noch weiß.</strong> Und dann entsteht ein Konzentrationsgefälle, weil die Teilchen der Lösung mit höherer Konzentration in die Lösung mit niedrigerer Konzentration diffundieren, weil ein Stoffausgleich angestrebt wird. Ich muss mich gerade über mich selbst wundern, dass mir diese ganzen Fachbegriffe doch noch einfallen.</p>
<p>Mittlerweile finde ich aber, <strong>Konzentrationsgefälle klingt mehr nach meinem Gemütszustand in der Schule</strong> am Montagmorgen, Freitagmittag und vor allen Dingen samstags. Alle diese Tage und Zeiten haben etwas gemeinsam: Meine Konzentration sinkt, und zwar stetig. Montagmorgens gehe ich relativ unmotiviert aus dem Haus, nur um dann, sobald ich im Kursraum sitze, doch eine gewisse Motivation zu verspüren, die jedoch mit jeder Minute erneut fällt, zusammen mit meiner Konzentration. Freitags erlebe ich dieses Phänomen des Konzentrationsgefälles auch immer, sobald die Pause um ist und ich denke, dass mich jetzt nur noch drei Stunden vom Wochenende trennen. Ganz schlimm, ist es samstags, wo ich sowieso immer die Ungerechtigkeit verfluche, die mich zwingt, aufzustehen und zur Schule zu gehen, während meine Eltern und fast die gesamte Nachbarschaft, noch selig in ihren Betten schlummern können. Ich bezweifle jedoch auch, dass man bei mir an solchen Tagen überhaupt ein nennenswertes Konzentrationsgefälle wahrnehmen kann, denn <strong>eigentlich beginnt meine Konzentration schon relativ nahe am Nullpunkt</strong> und tiefer als Null zu sinken, ist hier kaum möglich, hoffe ich zumindest.</p>
<p>Konzentrationsgefälle mit unterschiedlichen Gesichtern: Ersteres, das Konzentrationsgefälle bei der Osmose, könnte jetzt meine Biolehrerin erfreuen, sofern ich alles richtig wiedergegeben habe. Das zweite dürfte weniger Freude hervorrufen, aber ich verteidige mich, indem ich sage: <strong>Man soll immer alles aus mehreren Perspektiven betrachten.</strong> Das schärft das Beurteilungsvermögen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die anderen Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Ist doch eigentlich immer dasselbe…</p>
<p>Englisch: concentration gradient</p>
<p>Französisch: gradient de concentration</p>
<p>Polnisch:  Gradient st??e? roztworów</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das Lexikon sagt:</strong></p>
<p>Wikipedia weiß mal wieder Bescheid:</p>
<p>Man spricht von einem <strong>Konzentrationsgefälle</strong> oder <strong>Konzentrationsgradienten</strong>, wenn zwischen einem Ort x<sub>0</sub> und einem Ort x<sub>1</sub> sich die Konzentration eines Stoffes von c<sub>1</sub> zu c<sub>2</sub> ändert.</p>
<p>Die Diffusion von Stoffen erfolgt aufgrund eines Konzentrationsgradienten. Als elektrochemischen Gradienten bezeichnet man das Konzentrationsgefälle von gelösten Ionen, dieses hat eine herausragende Bedeutung für biologische Systeme, insbesondere den zellulären Energiestoffwechsel und die Nervenleitung.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Und was sagst du?</strong></p>
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		<title>wort der woche &#8211; dauerschmerz</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 08:54:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabrina_f</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Mein Herz schmerzt permanent, denn ich war eine Maschine. Ich bin jetzt keine Maschine mehr, weil ich tot bin. Heute kann ich die Menschen beobachten, denn ich war nie einer. Ich will euch von meinem Leben, so wie es die anderen nannten, erzählen. So wie ihr das eure nennt. Leben &#8211; welch ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/wdw_dauerschmerz.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="wdw - dauerschmerz | By Foto gestiftet von Bernd Schwabe in Hannover (eigenes &quot;Werk&quot;) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/wdw_dauerschmerz.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a>Wir sagen:</strong></p>
<p>Mein Herz schmerzt permanent, denn ich war eine Maschine.</p>
<p>Ich bin jetzt keine Maschine mehr, weil ich tot bin. Heute kann ich die Menschen beobachten, denn ich war nie einer. Ich will euch von meinem Leben, so wie es die anderen nannten, erzählen. So wie ihr das eure nennt. Leben &#8211; welch ein Spott steckt in diesem Wort!<span id="more-2722"></span></p>
<p>Doch nun zu der Zeit, in der ich mein Dasein noch auf Erden fristete. Es trug sich zu wie bei einem jeden Lebewesen: Ich wurde geboren. Doch damals war es nicht entscheidend, ob ich einen brillanten Verstand hatte oder Heiler werden wollte, sondern einzig, dass meine Mutter eine Sklavin war. Dadurch war auch ich ein Sklave.</p>
<p>Unser Herr war ein hoher Mann, mit unendlichstem Reichtum und allumfassendster Macht. Ich hingegen war ein Nichts, das wusste ich schon immer.</p>
<p>Warum ich heute auf diese Weise schreiben und sprechen kann, liegt daran, dass mein Herr einen Sohn in meinem Alter besaß. Weil dieser seinen Hauslehrer verschmähte, schickte er mich in den Unterricht, wenn es ihm beliebte und der Lehrer sagte nichts. Aus Furcht.</p>
<p>So lernte ich und schwieg. Schweigend lernen. Schweigen lernen. Schweigen!<br />
Seitdem ich nun hier, auf meinem Beobachtungsposten verweile, habe ich mich weiter gebildet, denn ich kann nicht nur sehen, was auf Erden geschieht, sondern ich kann es auch hören und alles, alles, alles bleibt in meinem Kopf! So lernte ich zum Beispiel auch Immanuel Kant kennen. Einen Freigeist. Er lehrte mir, dass ich nie ein Mensch war, denn ich habe nicht nur als Zweck, also des Menschseins wegen, gelebt.</p>
<p>Nicht den Hauch von Menschenwürde kann man in meinem Leben finden!</p>
<p>Ich besaß keine, denn damals wusste man wohl noch nichts von ihr. Ein Sklave war ich, ein Sklave der kein Mensch, sondern ein Gegenstand war.</p>
<p>Lange Zeit war ich jedoch davon ausgegangen, dass ich gelebt hatte.</p>
<p>Damals hätte ich sogar darauf geschworen, dass mein Herr mir nur Ehre zu teil werden lassen wollte, als er mich, anstatt seines Sohnes, auf das Schlachtfeld schickte. Ich überlebte wie durch ein Wunder, doch an genaue Einzelheiten kann ich mich bis heute nicht erinnern.</p>
<p>Einzig der Tag, an dem ich zu ihm zurückkehrte und den Stolz in meines Herren Brust erwartete, brannte sich für immer in mein Gedächtnis ein. Ich kam heim, sah meine Mutter nirgends und durfte meine Wunden nicht auskurieren, nein, direkt musste ich weiter arbeiten, kein Lohn nicht Mal ein lobend Wort kam mir zu Teil. Weder Herr noch Sohn blickten mich wieder an.</p>
<p>So vergingen Tage und Wochen, vermutlich ein oder zwei Jahre bis zu einem bitterlich kalten Winter. Es war so kalt, dass der Fluss gefroren war und der Morgen Land im Frühjahr nicht bewirtet werden konnte.</p>
<p>Es musste geheizt werden, die Feuer im Keller zehrten an den Holzvorräten. Als schon Tische und Stühle hergehalten hatten, fand ich mein Ende in einem Ofen.</p>
<p>Dem Feuerofen, um meinen Herren zu wärmen.</p>
<p>Nach meinem Tod gelangte ich nach hier oben. Es war nicht der Olymp und auch nicht der Himmel wie ihr es heute sagen würdet. Es war ein Ort, der mich meine Todesschmerzen vergessen ließ. Soweit vergessen, dass ich nur noch ab und an ein kleines Stechen spürte &#8230;</p>
<p>Es war eine Art Raum, doch ohne wirklich ein Raum zu sein. Es hatte keine Farbe und schillerte doch in allen. Ich ging umher und sah viele Seelen, selbst die meiner Mutter, doch reden konnte ich mit ihr nicht. Mit keiner einzigen war es möglich zu reden!</p>
<p>So irrte ich eine lange Zeit lang umher, es war mir nur selten möglich einen Blick auf die Erde zu werfen und als ich sah, dass mein Herr starb, suchte ich nach ihm.</p>
<p>Hoffnungslose Zeitlosigkeit verging ohne ihn zu treffen. Urplötzlich verfestigte sich, in einem winzigen Moment, tief in mir drin das Wissen, dass dieser Raum nicht für Menschen war, die einst gelebt hatten, sondern für Seelen wie mich. Einsame, leere, schon immer tote Seelen.</p>
<p>Meine Reise endete, ich ließ mich nieder und begann die Welt zu beobachten, die Möglichkeit andere Seelen zu sehen verging, doch der Schmerz, wenn eine weitere Seele zu uns kam, blieb. Aus dem Raum aller wurde mein Raum von dem aus ich alles sehen konnte und der aussah wie meine Erinnerung ihn formte.</p>
<p>Was blieb, war der Stich in meinem Herzen, wenn eine weitere tote Seele herkam. Und wenn ihr mich hören könntet, dann würde ich euch sagen, dass es hier immer mehr werden. Würde euch warnen!</p>
<p>Ihr seid keine Leibeigenen der unliebsamen Herren, nein, ihr seid Sklaven eurer Epoche und vegetiert vor euch hin. Jeder einzelne ist eine Maschine, die nicht lebt, sonder agiert. Aufstehen, arbeiten, essen, schlafen. Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Endlosschleife.</p>
<p>Rein gar nichts lebt ihr! Verschlaft die Chancen, die euch geboten werden.<br />
Die Welt bereisen, spontansein, machen was euch beliebt.</p>
<p>Wacht doch bitte auf! Nutzet den Tag und lebt euer Leben!</p>
<p>Macht euch nicht zu toten Seelen, die ihre Ewigkeit lang immerzu vorgehalten bekommen, dass sie es hätten anders machen können. Ich war gefangen in meiner Gesellschaft, doch ihr könntet die Gesellschaft verändern.</p>
<p>Nur der Dauerschmerz in meinem Herzen bleibt.</p>
<p><strong>Andere Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Englisch: continuous pain</p>
<p><strong>Die Medizin sagt:</strong></p>
<p>Dauerhaft anhaltender Schmerz, der häufig psychologische Ursachen hat.</p>
<p><strong>Und was sagst du?</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>wort der woche &#8211; montagmorgen</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Du öffnest ein Lid, vorsichtig, damit es nichtmal dein Ameisenbärstofftier, ohne was du beschämenderweise immer noch nicht einschlafen kannst, bemerkt. Vorsichtig, um zu prüfen, wann es in Ordnung geht, so, wie wenn du deine Zehen ins Duschwasser hältst, bis es warm genug ist. Der Anfang einer neuen Woche, einer neuen Zeit, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2711" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/256px-Alarm_Clocks_20101105.jpg" alt="" width="200" height="200" />Wir sagen:</strong></p>
<p>Du öffnest ein Lid, vorsichtig, damit es nichtmal dein Ameisenbärstofftier, ohne was du beschämenderweise immer noch nicht einschlafen kannst, bemerkt. Vorsichtig, um zu prüfen, wann es in Ordnung geht, so, wie wenn du deine Zehen ins Duschwasser hältst, bis es warm genug ist.<span id="more-2693"></span></p>
<p>Der Anfang einer neuen Woche, einer neuen Zeit, wenn man so will. Geradezu eine Aufforderung für dich. In deinem Kopf tausend neue Möglichkeiten. Etwas Großartiges schwebt dir vor, muss doch drin sein, in diesem <strong>Einheitsbrei aus Kaffeepads und vertrockneten Kugelschreiberminen.</strong> Pläne, Absichten, Chancen, die du mittags erneut vergessen haben wirst.</p>
<p>Erinnerungen an lange Nächte, oder solche, die lang hätten sein sollen, schließlich bist du <em>&#8220;noch so jung</em>&#8221; und &#8220;<em>willst deinen Spaß haben.&#8221;</em> Du wolltest nie der Spielverderber sein, doch müde wird man, unendlich müde von den vergessenen Vorhaben und irrgeleiteten Intentionen der vergangenen Tage.</p>
<p><strong>Was war da eigentlich? Was wird da eigentlich?</strong></p>
<p>Du drehst dich auf die andere Seite und fällst zurück in einen grauen, erwartungslosen Schlaf. Nur das Ameisenbärstofftier kennt dich lang genug, um hoffen zu dürfen.</p>
<p><strong>Andere Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Niederländisch: maandagmorgen</p>
<p>Spanisch: lunes por la mañana</p>
<p>Ungarisch: hétfó reggel</p>
<p><strong>Der Duden sagt <em>(kurz und knapp):</em></strong></p>
<p><strong><em></em></strong>Morgen des Montags.</p>
<p><strong>Und was sagst du?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>eine fliegende katze</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 11:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>malte</dc:creator>
				<category><![CDATA[lesezeichen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://junges-literaturhaus.com/blog/?p=167</guid>
		<description><![CDATA[Maltes Geschichte ist gut abgelagert, aber mit guten Geschichten ist das, wie mit gutem Wein: sie werden besser,umso länger sie liegen. &#8220;Ich würde springen, wenn ich dann fühle, wie man fliegt.&#8221; &#8220;Ähm &#8230; Wie bitte?&#8221; &#8220;Du nicht auch? Ich meine, es muss doch fantastisch sein.&#8221; &#8220;Was redest du da?&#8221; &#8220;Meine Katze ist mir fort gelaufen.&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-2708" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/256px-Nos_kota.jpg" alt="" width="200" height="200" /><em>Maltes Geschichte ist gut abgelagert, aber mit guten Geschichten ist das, wie mit gutem Wein: sie werden besser,umso länger sie liegen.</em></p>
<p>&#8220;Ich würde springen, wenn ich dann fühle, wie man fliegt.&#8221;<br />
&#8220;Ähm &#8230; Wie bitte?&#8221;<br />
&#8220;Du nicht auch? Ich meine, es muss doch fantastisch sein.&#8221;<br />
&#8220;Was redest du da?&#8221;<br />
&#8220;Meine Katze ist mir fort gelaufen.&#8221;<br />
&#8220;Und die kann fliegen?&#8221;<br />
&#8220;Spinnst du? Mein Paul kann doch nicht fliegen.&#8221;<span id="more-167"></span><br />
Ich war drauf und dran die Tür zuzuschlagen. Was wollte der Verrückte vor unserer Haustür?<br />
&#8220;Hast du Feuer?&#8221;<br />
Mürrisch zog ich ein Feuerzeug aus meiner Hosentasche, zündete ihm seine Zigarette an und sah, wie der bläuliche Rauch seinen Mund verließ und in kräuselnden Bewegungen gen Himmel stieg.<br />
&#8220;Wieso rauchst du?&#8221;, fragte ich ihn.<br />
&#8220;Weiß auch nicht, schmeckt scheußlich.&#8221;, sagte er.<br />
Die Glimmstengel landete auf dem Asphalt. Er trat ihn aus.</p>
<p>&#8220;Darf ich reinkommen?&#8221;<br />
Wenn ich heute darüber nachdenke, weiß ich auch nicht, wieso ich diesen Blondschopf mit seinen fast durchsichtig hellen Wimpern (auf welch nebensächlichen Dinge man achtet) reinließ. Ich kannte  ihn schließlich nicht, er hatte lediglich an meiner Tür geklingelt.<br />
Fest steht: Ich tat es!</p>
<p>&#8220;Hast du Paul gesehen?&#8221;<br />
&#8220;Wer ist Paul?&#8221;<br />
&#8220;Meine Katze.&#8221;<br />
Er zog die Schultern hoch und wippte mit dem Kopf langsam vor und zurück.<br />
&#8220;Nein, habe ich nicht.&#8221;<br />
&#8220;Darf ich trotzdem nachsehen?&#8221;<br />
Ohne eine Antwort abzuwarten, zwängte er sich an mir vorbei und lief die Treppe hoch. Ich natürlich hinterher.<br />
&#8220;Also, weißt du, das geht so nicht! Du kannst doch nicht einfach &#8230;&#8221;<br />
Verwundert blieb ich im Türrahmen stehen. Er schwieg.</p>
<p>Das Sommersprossengesicht hatte das Fenster geöffnet, kalte Herbstluft schwappte herein, er versuchte tatsächlich hinauszuklettern.<br />
&#8220;Ich werde dich nicht retten, wenn du fällst&#8221;, warnte ich.<br />
Oh man, bin ich blöd gewesen!<br />
&#8220;Ich falle nicht, ich fliege.&#8221; Er strich sich eine Strähne aus der Stirn.<br />
&#8220;Willst du wirklich schon so früh sterben? Ich meine, es gibt doch bestimmt andere Möglichkeiten, leichtere Auswege&#8221;, sagte ich möglichst gelassen.<br />
Inzwischen stand er draußen auf der Dachschräge, stützte sich mit einer Hand am Fensterrahmen ab.<br />
&#8220;Hörst du Musik?&#8221; Seine Frage überraschte mich.<br />
&#8220;Klar!&#8221;<br />
&#8220;Und Feuer? Hast du mal Feuer gelegt?&#8221; Er leckte sich über die Lippen.<br />
&#8220;Was stellst du für Fragen? Komm jetzt bitte darunter und geh! Ich habe deine Katze und auch deinen Psychiater nicht gesehen!&#8221;<br />
Im Stillen dachte ich, das Letzterer hoffentlich bald hier auftauschen würde.</p>
<p>Er sah mich aus großen Augen an, starrte dann an mir vorbei, schüttelte verständnislos den Kopf und murmelte: &#8220;Du bist ja komplett verrückt! Fliegen will ich woanders lernen.&#8221;<br />
Mit diesen Worten sprang er ins Zimmer zurück, stürmte an mir vorbei, die Treppen wieder runter und verließ unser Anwesen.<br />
An diesem Abend sah ich eine schwarze Silhouette vor meinem Fenster sitzen.</p>
<p>Eine Katze.<br />
Was für ein komischer Name Paul doch für eine Katze war, dachte ich.</p>
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		<title>sightseeing</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 11:48:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lena</dc:creator>
				<category><![CDATA[lesezeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Lena nimmt euch mit ins Kino &#8211; den Film könnt ihr euch aussuchen: Nur langsam gewöhnen sich ihre Augen an das Schwarz. Sie beugt sich herunter und öffnet mit den Fingern ihrer rechten Hand die Schnürsenkel ihrer feinen Lederschuhe. Halbwegs entspannt lehnt sie sich wieder zurück und reckt ihre Füße. Sie liebt es im Kino [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-2704" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/512px-MovieTheatre_gobeirne.jpg" alt="" width="200" height="200" />Lena nimmt euch mit ins Kino &#8211; den Film könnt ihr euch aussuchen:</em></p>
<p>Nur langsam gewöhnen sich ihre Augen an das Schwarz. Sie beugt sich herunter und öffnet mit den Fingern ihrer rechten Hand die Schnürsenkel ihrer feinen Lederschuhe. Halbwegs entspannt lehnt sie sich wieder zurück und reckt ihre Füße. Sie liebt es im Kino ihre Schuhe auszuziehen, dann fühlt es sich fast so an, wie Zuhause auf dem Sofa, nur geschützter, wie in einer Höhle. „Entschuldigung“, sagt eine kratzige Stimme neben ihr genervt. Marla schaut hoch, kann aber nur die Umrisse eines großen Mannes erkennen, denn die roten Vorhänge haben sich geöffnet und Eiswerbung wird auf der Leinwand präsentiert.<span id="more-2477"></span><br />
Schnell hebt sie die mittelgroße Popcorntüte vom Boden auf und drückt sich noch etwas tiefer in ihren Sitz, sodass der Mann an ihren Beinen vorbeikommt. Marla greift in die Tüte und schiebt sich ein paar Popkörner in den Mund. Das Salz auf ihrer Zunge gefällt ihr, hinterlässt aber auch einen dumpfen Geschmack von Traurigkeit. Sie schaut sich um und blickt in fremde Gesichter, die gespannt auf die Leinwand starren, sich unterhalten, kichern oder nervös in ihren Taschen nach ihrem Handy suchen, um es auszuschalten. Keiner weiß, dass ich nicht von hier bin, denkt Marla. Touristen gehen nicht ins Kino.</p>
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		<title>kinderlachen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 11:22:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabrina_f</dc:creator>
				<category><![CDATA[lesezeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Zug ist der perfekte Mikrokosmos für eine Geschichte, findet Sabrina. Einsteigen, die Türen schließen selbsttätig&#8230; Mein Heimweg. In der Bahn: Die Welt, um herum rauscht. All die Hektik des Alltags wird draußen gelassen. Graue Masse. Ab und an ein Baum. Selten. Hier drin die verschiedensten Menschen: Kinder, Jugendliche, Eltern, Geschäftsleute. Alle unterwegs. Auf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: center"></h2>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2699" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/256px-Fotothek_df_roe-neg_0003055_001_Ein_Kind_mit_einem_Ball.jpg" alt="" width="200" height="200" /><em>Der Zug ist der perfekte Mikrokosmos für eine Geschichte, findet Sabrina. Einsteigen, die Türen schließen selbsttätig&#8230;</p>
<p></em>Mein Heimweg. In der Bahn: Die Welt, um herum rauscht. All die Hektik des Alltags wird draußen gelassen. Graue Masse. Ab und an ein Baum. Selten. Hier drin die verschiedensten Menschen: Kinder, Jugendliche, Eltern, Geschäftsleute. <strong>Alle unterwegs. Auf der Reise. Zusammen, allein.</strong></p>
<p>Ich bin allein. Mein Blick ist stur auf das Fenster gerichtet. Die tosenden Gespräche um mich herum ignorierend. Plötzlich rennt etwas gegen mich.  Erstaunt, verwirrt, blicke ich auf. Suche die Quelle der Störung.<span id="more-2177"></span><br />
Ein kleiner Junge rennt fröhlich quietschend den Gang entlang. Auf und ab. Immer weiter. Hin und her. Bald kann ich erkennen warum. Vor ihm rollt ein kleiner Ball, der ihm immerzu wegrollt.</p>
<p>Wie alt mag er wohl sein? Vielleicht vier? Lächelnd beobachte ich, wie der Ball unter einen Sitz rollt. Irritiert schaut der Kleine sich um. Sobald er das Spielzeug entdeckt hat, stürzt er sich darauf. Runter auf die Knie, durch die Beine des dort sitzenden Mannes. Als er seinen Schatz wieder in den Händen hält, lacht er. Ein Kinderlachen.</p>
<p>Der Kleine kommt zurück. Stellt sich vor mich. Ich schaue ihn an. Warum steht er hier?<br />
Große, runde, blaue Augen. Ein Lächeln, das jedes andere wie eine Trauermiene ausschauen lässt.<br />
„Entschuldigung, dass ich dich eben angerannt habe.“, sagt er mit heller Kinderstimme, „aber mein Ball ist weggerollt.“ Stolz hält er den beißend bunten Ball mit beiden Händen empor.<br />
Ich warte eine Sekunde, gebannt, ob die Sonne herauskommen, um den kleinen Schatz anzustrahlen. Es bleibt grau.</p>
<p>Abwartend sieht mich der Junge an, doch seine Unterlippe zittert. Hat er Angst, ich würde ihm böse sein?<br />
Er lässt den Ball langsam sinken. Unsicher?</p>
<p>„Das macht doch nichts. Es kann ja mal passieren, dass man jemanden aus Versehen übersieht. Solange man sich entschuldigt, macht das den meisten Erwachsenen nichts aus.“, erkläre ich, stolz so weise Worte gefunden zu haben.</p>
<p>Kurz ruckelt der Zug, während der Bremsung. Leicht schwankt der Kleine, hält sich aber schnell genug fest. „Ich bin Paul.“, erklärt er wieder freudestrahlend. „Und wie heißt du?“, setzt er nach.</p>
<p>„Ich heiße Sam.“, stille ich seinen Wissensdurst. Einen Blick aus dem Fenster werfend, stelle ich enttäuscht fest, dass ich gleich aussteigen muss. Als der Kleine grade Anstalten macht, sich neben mich zu setzten, sage ich: „Paul, was hältst du davon, zurück zu deinen Eltern zu gehen. Sie machen sich bestimmt Sorgen.“</p>
<p>Anstatt zu antworten, dreht er sich weg. Schweigen. Nervös fährt er mit der Hand über seinen Ball. Langsam dreht sich der Kleine zurück. Mit todernstem Gesicht schaut er zu mir auf: „Meine Mama ist schon ausgestiegen.“</p>
<p>Der Zug hält an.</p>
<h2 style="text-align: center"><span style="text-decoration: underline"><br />
</span></h2>
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		<title>wort der woche &#8211; kette</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 08:18:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thorsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Vor einiger Zeit habe ich ein Rätsel gehört: &#8220;Was ist das? Es hat ein Loch und noch ein Loch und noch ein Loch und noch ein Loch &#8211; und es hält doch.&#8221; Antwort: Eine Kette. Die meisten Bilder, die einem bei dem Wort Kette vor Augen erscheinen, sind eher negativ. Die Gedanken, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/wdw_kette1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2677" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/wdw_kette1.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a>Wir sagen:</strong></p>
<p>Vor einiger Zeit habe ich ein Rätsel gehört: <strong>&#8220;Was ist das? Es hat ein Loch und noch ein Loch und noch ein Loch und noch ein Loch &#8211; und es hält doch.&#8221;</strong></p>
<p>Antwort: Eine Kette. Die meisten Bilder, die einem bei dem Wort Kette vor Augen erscheinen, sind eher negativ. Die Gedanken, die ich im Moment bei meiner Fahrradkette habe, auch. <span id="more-2675"></span></p>
<p>Sie ist nicht nur rostig, sondern verhakt sich auch bei jeder Gelegenheit im Ritzel (auch ein schönes Wort), sodass sich das Pedal plötzlich verklemmt und ich nicht mehr weitertreten kann.<strong> Immer ein schöner Moment, auf der Bonner Straße, mit meiner Tochter im Kindersitz.</strong></p>
<p>Also wieder mit vorsichtigen Fingern &#8211; <strong>nutzlos, denn schmierig werden sie eh</strong> &#8211; die Kette wieder aus dem Zahnkranz geholt, leise über die Technik fluchen, und dann wieder aufs Fahrrad und weiterfahren. In der Hoffnung, dass jetzt alles reibunglsos funktioniert, und zwar nicht nur bis zur nächsten Ecke.</p>
<p><strong>Eigentlich müsste ich nur zu den freundlichen Fahrradleuten von nebenan gehen</strong>, bei denen ich eh jeden Tag fünf Mal vorbeigehe. Denn die können mir garantiert helfen, und den Bösewicht habe ich auch schon ausgemacht. Mein Tretlager ist verschoben, und so passt die gesamte Abstimmung von vorderem Ritzel, Kette und hinteren Zahnkränzen nicht. Für einen Radtechniker mit dem richtigen Werkzeug keine große Sache, denke ich. Aber wie gesagt: eigentlich müsste ich nur &#8230;</p>
<p><strong>Die anderen Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Englisch: chain</p>
<p>Niederländisch: ketting</p>
<p>Schwedisch: kedja</p>
<p><strong>Das Lexikon sagt:</strong></p>
<p>Eine <strong>Kette</strong> (von latein <em>catena</em>, althochdeutsch <em>ketina</em>, mittelhochdeutsch <em>keten</em>) ist eine Reihe aus beweglichen, ineinandergefügten oder mit Gelenken verbundenen Gliedern, die häufig aus Metallen wie etwa Stahl hergestellt wird.</p>
<p style="text-align: right">(<em>wikipedia.de</em>)</p>
<p style="text-align: left"><strong>Und was sagst du?</strong></p>
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		<title>wort der woche – wortschatz</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 09:59:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ines</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort der woche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sagen: Was für ein schönes Wort: ein Wortschatz. Meinen ersten Wortschatz bekam ich, als ich in der vierten Klasse war. Er war klein mit einem roten Kunststoffumschlag, auf dem in weißen Großbuchstaben Wortschatz stand. Wenn ich ehrlich sein soll, konnte das Wort dem, was ich mir vorgestellt hatte, nicht standhalten. Ein Schatz war das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft  wp-image-2681" title="wort der woche - wortschatz | By Werner100359 (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons" src="http://www.junges-literaturhaus.com/blog/wp-content/uploads/2012/04/512px-Spielendes_Kind.jpg" alt="" width="200" height="200" />Wir sagen:</strong></p>
<p>Was für ein schönes Wort: ein Wortschatz.</p>
<p><strong>Meinen ersten Wortschatz bekam ich, als ich in der vierten Klasse war.</strong> Er war klein mit einem roten Kunststoffumschlag, auf dem in weißen Großbuchstaben Wortschatz stand. Wenn ich ehrlich sein soll, konnte das Wort dem, was ich mir vorgestellt hatte, nicht standhalten. Ein Schatz war das nicht, eher lästig, und der Unterricht damit machte nur so halb viel Spaß: Wir mussten um die Wette Wörter nachschlagen oder Bedeutungen abschreiben. Schatzsuche geht doch anders, dachte ich. Wo ist der Gewinn?<span id="more-2679"></span></p>
<p>Eigentlich ist jedes Wort, das man lernt, ein Schatz, oft auch ein Gewinn. Auch wenn ich das fast vergessen habe, weil ich wie selbstverständlich spreche.</p>
<p>Moa ist jetzt 19 Monate und sie will unbedingt sprechen. Ihr Wortschatz wird jeden Tag größer und <strong>der Stolz, mit dem sie auf Wort-Schatzsuche geht, ist einfach nur beglückend</strong> – und manchmal ein bisschen anstrengend. Ein neues Lieblingswort ist: Piepatz. Spielplatz ist auch an einem Sonntag morgen um zwanzig nach sechs ein Thema für sie und am liebsten würde sie direkt ihre Gacke anziehen und Suhe und losgehen. Auftehn ruft sie, zerrt an der Bettdecke und bewirft uns mit unseren Gocken. Auftehn.<br />
Dann will sie mit Bebi spielen und lessn, die Bum in der Vase müssen mit brachialer Zärtlichkeit gestreichelt werden. Wenn ihr der Sinn danach steht, dann ruft sie einfach mal jede Minute Pipi. Frage ich dann, ob sie auf Toilette muss, grinst sie übers ganze Gesicht, schüttelt vehement den Kopf und sagt nein. Das Spiel kann auch mit Kacka gespielt werden. Das hängt von der Tagesform ab und ist ab dem zwölften Mal nicht mehr so lustig, wie es klingt.</p>
<p>Moas Wortschatz wächst und wächst. Und das ist unser Gewinn, der Sechser im Lotto. Ein kleiner Mensch, der im letzten Jahr um die Zeit gerade mal sitzen und sich drehen konnte, läuft und spricht, freut sich und ärgert sich, kuschelt und schimpft. Es ist toll, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich nicht jedes Wort toll finde, das dazu kommt… Aber das gehört zum Mensch werden auch dazu.</p>
<p><strong>Andere Sprachen sagen:</strong></p>
<p>Englisch: thesaurus<br />
Französisch: vocabulaire<br />
Italienisch: vocabolario</p>
<p><strong>Das Lexikon  sagt:</strong></p>
<p>Als Wortschatz (auch Vokabular oder Lexik[on]) bezeichnet man:</p>
<ul>
<li>die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt (siehe hierzu auch Lexikon (Linguistik), oder</li>
<li>die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, die ein einzelner Sprecher kennt oder verwendet. Man unterscheidet in dieser Bedeutung zwischen passivem (präziser: rezeptivem) und aktivem (präziser: produktivem) Wortschatz:</li>
<li>Der rezeptive Wortschatz (passiver Wortschatz) wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet. Er ist jener, der meist nur zum Verstehen gesprochener und geschriebener Texte beiträgt, also eher als Verstehenswortschatz bezeichnet werden kann, der im entscheidenden Augenblick als bekannt aus dem Gedächtnis abgerufen oder über andere Wege (z. B. Wortbildung) erschlossen wird.</li>
<li>Der produktive Wortschatz (aktiver Wortschatz) wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.</li>
</ul>
<p>Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter], die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 300.000 bis 500.000 Wörter geschätzt.</p>
<p><strong>Und was sagst du?</strong></p>
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